Geschichte: Der Baum des Lebens

Geschichte: Der Baum des Lebens

Der Baum des Lebens

In vielen Traditionen und Geschichten wird der Baum als Metapher für das Leben oder die Schöpfung an sich verwendet. In den Mythen Indiens finden wir einen alten Hindu-Glauben, dass es einen Baum gäbe, der Kamana Kalpa Vraksha heist, und dass dieser Baum alle Früchte trage, die wir uns vorstellen können.

Steht jemand unter diesem Baum, dann braucht er nur einen Wunsch zu denken, er brauch sich nur das vorzustellen, was er möchte, und im gleichen Augenblick würde er alle Früchte , alle Blumen, alles, was er sich vorstellt, an dem Baum finden, der Baum brächte all das hervor. Wenn die Frucht jenes Baumes in seiner Reichweite läge, müsste er nur die Hand heben, um sie zu pflücken; wenn sie außerhalb seiner Reichweite ist, müsste er es sich nur wünschen, dann käme der Ast zu seiner Hand, und er könne ohne Anstrengung die Frucht herunternehmen.

Und von diesem Baum handelt eine Geschichte.

In dieser Geschichte reiste ein Wanderer über Berge und Täler, durch Dörfer, Städte überquerte Ozeane und durchwanderte Wüsten. Auf seiner Wanderschaft schlief er zufällig unter diesem Baum ein. Nach einem guten Schlaf öffnete er seine Augen und schaute auf zum Baum. Er dachte: „Das muss wohl ein Pfirsichbaum sein.“ Kaum hatte er diesen Gedanken gedacht, fielen zwei saftige Pfirsiche neben ihn zu Boden, im Liegen ergriff er sie.

„Oh“, sagte er zu sich, „was für ein wundersamer Baum! Wäre er doch nur ein Traubenbaum, das wäre das Schönste!“ Kaum hatte er dies zu sich selbst gesagt, hing der Baum voller Trauben, und bevor er seine Hand austrecken konnte, beugten sich die Äste herunter, so dass er ganz leicht die Trauben pflücken konnte. Und wieder dachte er: „ Was für ein wunderbarer Baum!“ Dann fragte er sich, ob der Baum wohla auch Rosen tragen könnte. Und sobald dieser Gedanke sich geformt hatte, schien der Baum voller Rosen zu blühen.

Der Wanderer war derart überrascht, beeindruckt, verwirrt und verblüfft über diesen magischen Baum, dass er sich fragte, ob das was er hier gerade erlebte wohl wahr sein oder nur ein Traum, eine Fiktion, eine Einbildung. Sobald er an einen Traum, eine Fiktion, eine Einbildung dachte und den Baum betrachtete, verschwand der Baum im gleichen Augenblick.

(Alte Indische Sufi-Geschichte)