Interpretation und Wahrnehmung

Interpretation und Wahrnehmung

Wie entstehen Missverstädnisse?

In der internet Wissens-Enzyklopädie "Wikipedia" wird der Begriff Missverständnis ausführlich umschrieben und definiert:

Der Begriff Missverständnis bezeichnet in der menschlichen Kommunikation den Unterschied zwischen dem, was auf der einen Seite der Sender gemeint und auf der anderen Seite der Empfänger verstanden hat. Der Empfänger versteht in diesem Fall etwas anderes, als der Sender gemeint hat. Kennzeichnend für Missverständnisse ist, dass sie erst dann bemerkt werden, wenn sie schon geschehen sind.

Dies ergibt sich aus der Abfolge von Senden, Empfangen und Interpretieren. Doch wird nicht jedes Missverständnis bemerkt; ein Mensch wird nie in der Lage sein, die Intention eines jeden Satzes vollständig zu verstehen, da Terme für unterschiedliche Sprecher unterschiedliche Bedeutungen haben. Dennoch ist der Mensch kontinuierlich darauf angewiesen, auf das Verstehen der Intention zu vertrauen.
Dieses Vertrauen kann aber eine Fehlinterpretation verursachen: Eine noch ungesicherte Annahme wird zu hoch bewertet und als gesichertes Wissen gesehen; ein Missverständnis.

Grundsätzlich gilt, dass alle Menschen sich permanent in kommunikativen Prozessen befinden.Kommunikation findet immer statt, bewusst und unbewusst, verbal und nonverbal, intern und extern. Kommunikation kann durch Routine z.B. in langjährigen Beziehungen zur Gewohnheit werden und sehr leicht und unangestrengt funktionieren. In schwierigen Situation, wenn die gewohnten Kommunikationsmuster nicht mehr als Schablone taugen, kann Kommunizieren zur anstrengenden Herausforderung werden und ins stocken geraten. 

Wenn Sie in einer Paar-Beziehung leben, kennen Sie das vielleicht, alles ist im Fluss und läuft gut und wie aus heiterem Himmel, plötzlich gibt es Streit oder Ärger und die Kommunikation wird schwierig.

Missverständnisse sind die häufigsten Ursachen für schwierige kommunikative Prozesse.
Missverständnisse entstehen durch Fehlinterpretationen.

Die menschlichen internen Verabeitungsprozesse, führen auf der Grundlage unserer persönlichen Interpration zu einer Reaktion.
Ein Missverstädnins führt in der Regel zu einer nicht beabsichtigten Reaktion.

Ein Beispiel:
Eine Frau bringt Ihrem Mann etwas Süßes mit, weil sie ihn auch nach 25 Jahren Ehe so süß findet.
Der Mann sieht das Geschenk und sagt: "Ah, ich verstehe Du willst Dich für Dein zickiges Verhalten in den letzten Wochen entschuldigen!"

Hier führt die Fehlinterpretation des Mannes zu einer von der Frau nicht beabsichtigten Reaktion.
Da wir ständig das was wir wahrnehmen auch interpretieren, lohnt es hiermit bewusst umzugehen.


Wenn Sie möchten, dann probieren Sie einmal folgende Übung:

Teil 1.
1. Nehmen Sie sich mit Ihrem Partner etwa 10 Minuten Zeit.
2. Klären Sie wer von Ihnen A ist und wer B.
3. A und B sitzen sich gegenüber.
4. A denkt ca. 3 Minuten lang sehr intensiv an ein beliebiges Erlebnis, A kann dabei die Körperhaltung, Mimik etc. leicht verändern. A spricht nicht.
5. B beobachtet und benennt alle Details, die an dem Verhalten A zu beobachten sind. Nehmen Sie alles wahr, was Sie sehen, hören, spüren etc.
Achten Sie darauf, dass es sich dabei nur um reine Wahrnehmungen handelt. z.B. Du hast nach unten geschaut, dann hast Du mit dem rechten Fuß gewippt, danach bist Du Dir mit der linken Hand durch die Haare gefahren.
Keine Interpretationen! Interpretationen wären z.B. Du hast ganz traurig nach unten geschaut, dann hast Du gelangweilt mit dem Fuß gewippt, danach bist Du Dir etwas verträumt durch die Haare gefahren.
6. A und B tauschen die Rollen.
7. Jetzt denkt B intensiv an ein beliebiges Erlebnis und A beobachtet und nimmt wahr.
8. Tauschen Sie sich jetzt Ihrem Partner darüber aus, wie es sich angefühlt hat, nur wahrzunehmen und zu beobachten und wie es in der anderen Rolle gewesen ist beobachtet zu werden.

Teil 2.
1. Nehmen Sie sich mit Ihrem Partner etwa 10 Minuten Zeit.
2. Klären Sie noch einmal wer von Ihnen A ist und wer B.
3. A und B sitzen sich gegenüber.
4. A denkt ca. 3 Minuten lang sehr intensiv an ein beliebiges Erlebnis, A kann dabei die Körperhaltung, Mimik etc. leicht verändern. A spricht nicht.
5. B interpretiert alle Details, die an dem Verhalten A zu beobachten sind. Interpretieren Sie alles, was Sie sehen, hören, spüren etc.
6. A und B tauschen die Rollen.
7. Jetzt denkt B intensiv an ein beliebiges Erlebnis und A interpretiert.
8. Tauschen Sie sich jetzt darüber aus, wie sich das für Sie angefühlt hat zu interpretieren bzw. interpretiert zu werden.

Was war leichter für Sie interpretieren oder reines beobachten?
Was hat sich besser angefühlt?
Was hat mehr Spaß?


Wenn Sie eine höhere Sensibilität dafür entwickeln, ob Sie etwas interpretieren oder nur beobachten, dann hilft das Ihnen Missverständnissen vorzubeugen, denn Sie haben dann die Möglichkeit Ihre Interpretation zu hinterfragen: z.B. bedeutet Dein Blick nach unten, dass Du nachdenkst oder dass du traurig bist?

Für Paare bietet es sich an, sich darüber zu verstädnigen, dass Inerpretationen grundsätzlich eine gewisse Würze, Humor und Farbe in eine Beziehung bringt. Das Hinterfragen der Interpretationen ist dann besonders sinnvoll, wenn dadurch Klarheit auf emotionaler Ebene und auf sachlicher Ebene für Entscheidungsfindungen geschaffen werden kann.

Für Paare bietet sich eine regelmäßiges Paar-Gespräch an, um sich über die eigenen Interpretationen und Wahrnehmungen auszutauschen.

Andreas R. Mosler